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Im Juli verschärfte sich die Debatte über die Bewertung von KI-Unternehmen. Rekordumsätze reichten nicht in jedem Fall aus, wenn hohe Investitionen den freien Cashflow belasteten und ihre wirtschaftliche Wirkung erst in späteren Jahren erwartet wurde. Zugleich hielt die US-Notenbank den Leitzins unverändert, während der Iran-Konflikt die Energiepreise bewegte und neue US-Zölle die wirtschaftspolitische Unsicherheit erhöhten.
An den Aktienmärkten fiel die Monatsbilanz regional sehr unterschiedlich aus. Der DAX schloss am 31. Juli bei 25.629,24 Punkten. Gegenüber dem Schlussstand vom 30. Juni bei 24.995,81 Punkten entspricht dies einem Plus von 2,53 Prozent; seit Jahresbeginn liegt der Index rund 4,7 Prozent höher. In den USA gab der S&P 500 im Juli leicht um 0,13 Prozent auf 7.489,72 Punkte nach. Der Dow Jones Industrial Average gewann dagegen 0,32 Prozent und beendete den Monat bei 52.485,03 Punkten. Seit Jahresbeginn stehen beide Indizes jeweils gut neun Prozent im Plus. Deutlich schwächer entwickelte sich der Nasdaq Composite. Er fiel gegenüber Ende Juni um 3,20 Prozent auf 25.373,85 Punkte, weist seit Jahresbeginn jedoch weiterhin einen Zuwachs von rund 9,2 Prozent aus. In Japan sank der Nikkei 225 im Monatsvergleich um 7,32 Prozent auf 64.931,19 Punkte. Gegenüber dem Jahresende 2025 verbleibt ein Plus von rund 29 Prozent.
Die stärkeren Verluste der technologieorientierten Indizes spiegeln den Stimmungswechsel im KI-Sektor wider. Bereits am 7. Juli gerieten Halbleiterwerte deutlich unter Druck: Intel verlor 9,7 Prozent, AMD 6,5 Prozent und Micron 4,7 Prozent, während der Philadelphia Semiconductor Index ebenfalls um 4,7 Prozent nachgab. Diese Skepsis verstärkte sich nach den Quartalszahlen von Alphabet und Tesla. Alphabet verbuchte im zweiten Quartal einen negativen freien Cashflow von 5,9 Milliarden US-Dollar, obwohl das Cloud-Geschäft erheblich wuchs, und erhöhte zugleich seine Investitionsplanung (die Aktie verlor daraufhin fast sieben Prozent). Tesla gab rund 13 Prozent nach, nachdem höhere Ausgaben für KI-Projekte und eine schwächere Ergebnisentwicklung die Zweifel an der Bewertung verstärkt hatten. Die Märkte bewerteten damit erstmals seit längerer Zeit deutlicher, wie viel Kapital ein Unternehmen einsetzt und wie schnell daraus zusätzliche Einnahmen entstehen.
Gleichzeitig zeigte der Handel, dass die Anleger innerhalb des Technologiesektors weiterhin genau unterscheiden. Microsoft überzeugte am Monatsende mit einem starken Cloud-Geschäft und einer erkennbaren wirtschaftlichen Nutzung seiner KI-Investitionen; die Aktie legte nach der Veröffentlichung der Zahlen rund 15 Prozent zu und löste eine kräftige Erholung bei Halbleiterwerten aus. Der S&P 500 gewann an diesem Tag 1,7 Prozent, der Nasdaq 2,8 Prozent. Meta wurde dagegen für weiter steigende Investitionen und einen weniger klaren wirtschaftlichen Nutzen mit Kursverlusten bestraft. Der KI-Zyklus blieb damit ein bedeutender Börsenfaktor, doch der Markt verlangte einen nachvollziehbaren Zusammenhang zwischen Investitionen und künftigen Einnahmen.
Korea wird zum Zentrum der KI-Korrektur
Besonders deutlich fiel die Neubewertung in Südkorea aus. Der KOSPI brach am 28. Juli um 10,84 Prozent auf 6.023,66 Punkte ein. Während des Handels musste die Börse den Markt durch einen sogenannten Circuit Breaker zeitweise unterbrechen. Samsung Electronics verlor rund 13,3 Prozent, SK Hynix knapp 14,7 Prozent. Beide Unternehmen hatten zuvor erheblich von der Nachfrage nach Speicherchips für KI-Anwendungen profitiert und besitzen im koreanischen Leitindex ein sehr hohes Gewicht. Der Ausverkauf wurde durch Sorgen über chinesische Wettbewerber und den künftigen Ausbau der Produktionskapazitäten verschärft; viele Investoren befürchteten, dass neue Chipfabriken mittelfristig ein Überangebot erzeugen könnten. Hinzu kamen Gewinnmitnahmen nach einer außergewöhnlich starken Rally. Selbst der anschließend gemeldete Rekordgewinn von Samsung Electronics änderte die Stimmung zunächst kaum: Der Konzern erzielte im Quartal einen Betriebsgewinn von rund 89,5 Billionen Won (mehr als das Neunzehnfache des Vorjahreswerts), während die Aktie zunächst verhalten reagierte.
Am 31. Juli folgte jedoch eine außergewöhnlich starke Gegenbewegung. Der KOSPI stieg an diesem Tag um 17,91 Prozent auf 6.595,45 Punkte, nachdem neue Geschäftszahlen großer US-Technologiekonzerne die Erwartungen an die langfristige Nachfrage nach Speicherchips gestützt hatten. Samsung Electronics gewann rund 26 Prozent, SK Hynix etwa 29 Prozent. Die Rekordrally am letzten Handelstag konnte die Verluste des Monats dennoch nur teilweise ausgleichen: Gegenüber dem Schlussstand vom 30. Juni bei 8.476,48 Punkten verlor der KOSPI im Juli 22,19 Prozent. Der koreanische Kursverlauf verweist zugleich auf die Risiken hoch konzentrierter Indizes. Wenn zwei Unternehmen einen großen Teil der Marktkapitalisierung stellen, wirken ihre Kursbewegungen unmittelbar auf den gesamten Markt. Dies gilt auch für Fonds und börsengehandelte Indexprodukte, die solche Schwergewichte entsprechend ihrer Marktkapitalisierung abbilden. In Phasen einer breiten Neubewertung kann die tatsächliche Streuung eines Index deshalb geringer ausfallen, als die Zahl der in ihm enthaltenen Unternehmen vermuten lässt.
Fed hält den Leitzins trotz drei Gegenstimmen stabil
Die US-Notenbank beließ den Zielkorridor für den Leitzins am 29. Juli zum fünften Mal in Folge bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Die Entscheidung fiel mit neun zu drei Stimmen – drei Gegenstimmen zugunsten einer strafferen Geldpolitik hatte es zuletzt 2016 gegeben. Die jüngsten Konjunkturdaten lieferten Argumente für beide Seiten der geldpolitischen Debatte: Das US-Bruttoinlandsprodukt wuchs im zweiten Quartal annualisiert um 1,5 Prozent (nach 2,1 Prozent im ersten Quartal), der private Konsum entwickelte sich weiterhin solide, während die Investitionen der Unternehmen an Tempo verloren. Im Juni stiegen die realen Konsumausgaben gegenüber dem Vormonat um 0,4 Prozent. Zugleich lag der Preisindex für die persönlichen Konsumausgaben 3,7 Prozent über dem Vorjahreswert (ohne Energie und Nahrungsmittel betrug die Teuerung 3,3 Prozent). Damit blieb die US-Wirtschaft widerstandsfähig, während der Preisauftrieb den Spielraum für rasche Zinssenkungen begrenzte.
Die gespaltene Abstimmung der Fed erhöhte die Unsicherheit über die nächsten Entscheidungen. Nach der Veröffentlichung stiegen die Renditen am Anleihemarkt, während Aktien unter Druck gerieten und Gold an Wert gewann. Die Reaktion machte deutlich, dass die Märkte eine Zinssenkung nicht mehr als verlässliche Annahme behandeln können. Die weitere Entwicklung hängt davon ab, ob der Preisdruck nachlässt, ohne dass Beschäftigung und Konsum deutlich einbrechen.
Deutsche Unternehmen werden vorsichtig zuversichtlicher
In Deutschland verbesserte sich die Stimmung der Unternehmen im Juli. Der ifo-Geschäftsklimaindex stieg von 85,7 auf 86,6 Punkte. Vor allem die Erwartungen fielen freundlicher aus, während die Unternehmen ihre laufenden Geschäfte etwas schwächer bewerteten. In der Industrie nahm die Nachfrage zu, und Materialengpässe verloren an Bedeutung; das Niveau des Indikators bleibt jedoch niedrig und spricht weiterhin für eine nur langsame Erholung. Bei den Preisen setzte sich die Entspannung zuletzt fort: Die deutsche Inflationsrate lag im Juni bei 2,3 Prozent (nach 2,6 Prozent im Mai), ohne Energie und Nahrungsmittel betrug sie 2,5 Prozent. Dienstleistungen verteuerten sich um 3,1 Prozent und blieben damit ein wesentlicher Preistreiber. Im Euroraum lag die Inflationsrate im Juni bei 2,8 Prozent. Die Daten lassen weiterhin keine vollständige Entwarnung zu, weil der Preisauftrieb bei Dienstleistungen hoch bleibt und Energiepreise rasch auf geopolitische Ereignisse reagieren.
Ölpreis reagiert auf wechselnde Signale aus dem Iran-Konflikt
Der Iran-Konflikt beeinflusste die Rohstoffmärkte während des gesamten Monats. Brent-Öl überschritt am 23. Juli zeitweise die Marke von 100 US-Dollar und schloss an diesem Tag bei 100,69 US-Dollar je Barrel, was durch erneute Angriffe und Sorgen vor länger beeinträchtigten Transportwegen am Persischen Golf ausgelöst wurde. Nach einer zeitweiligen Unterbrechung amerikanischer Angriffe und Signalen für neue Gespräche ging die Risikoprämie jedoch zurück: Am 30. Juli schloss Brent bei 89,03 US-Dollar je Barrel, WTI bei 83,59 US-Dollar. Beide Preise lagen damit deutlich unter ihren zwischenzeitlichen Höchstständen. Die Lage blieb jedoch instabil, da neue iranische Angriffe und amerikanische Gegenmaßnahmen eine weitergehende Entspannung verhinderten. Für Unternehmen und Notenbanken bleibt der Ölmarkt deshalb von großer Bedeutung, weil höhere Energiekosten die Inflation verstärken und zugleich die Kaufkraft der Verbraucher beeinträchtigen.
Gold-Futures beendeten den 30. Juli bei 4.100,10 US-Dollar je Feinunze, während Silber bei 58,815 US-Dollar schloss. Beide Edelmetalle legten nach der Fed-Entscheidung zu, lagen seit Jahresbeginn aber im Minus (Gold verlor in den ersten sieben Monaten 5,21 Prozent, Silber 16,14 Prozent). Diese Entwicklung spiegelt den Konflikt zwischen geopolitischer Absicherung und hohen Zinsen wider: Krisenmeldungen erhöhen die Nachfrage nach Edelmetallen, während attraktive Renditen festverzinslicher Anlagen deren relative Stellung schwächen.
Der Juli veränderte damit den Bewertungsmaßstab für Technologieunternehmen. Die wirtschaftliche Bedeutung von Künstlicher Intelligenz blieb bestehen, doch hohe Ausgaben werden nicht mehr unabhängig von ihrer Wirkung honoriert; Unternehmen müssen deutlicher belegen, wie Rechenkapazitäten und neue Anwendungen ihre Einnahmen erhöhen. Gleichzeitig begrenzen die anhaltende Inflation, eine zurückhaltende Fed und wechselnde Ölpreise die Bereitschaft, hohe Bewertungen ungeprüft fortzuschreiben. Für Anleger gewinnt deshalb eine breite Aufstellung an Bedeutung, die einzelne Wachstumsthemen einbezieht, ohne das Gesamtportfolio von deren kurzfristiger Entwicklung abhängig zu machen.
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Unsere Dachfonds entwickelten sich im Juli entsprechend ihrer unterschiedlichen Ausrichtung. Das defensiv ausgerichtete ARGENTUM Stabilitäts-Portfolio (WKN: A1C699 / ISIN: DE000A1C6992) legte im Monatsverlauf leicht um 0,29 Prozent zu und weist seit Jahresbeginn ein Plus von 5,28 Prozent aus. Der ausgewogene ARGENTUM Performance Navigator (WKN: A0MY0T / ISIN: DE000A0MY0T1) gab im Juli um 2,46 Prozent nach, bleibt seit Jahresbeginn mit 9,42 Prozent jedoch deutlich im positiven Bereich. Stärker wirkte sich die Korrektur auf den offensiv ausgerichteten ARGENTUM Dynamic Future (WKN: A2P1XJ / ISIN: DE000A2P1XJ6) aus: Der Fonds verlor im Juli 6,69 Prozent und liegt seit Jahresbeginn mit -1,31 Prozent im Minus.
Die Ergebnisse spiegeln die unterschiedlichen Aufgaben der drei Strategien wider. Das Stabilitäts-Portfolio blieb während der deutlichen Kursverluste bei technologieorientierten Anlagen weitgehend stabil. Der Performance Navigator war stärker von der allgemeinen Aktienmarktkorrektur betroffen, konnte jedoch einen erheblichen Teil seiner seit Jahresbeginn erzielten Wertentwicklung bewahren. Beim Dynamic Future wirkten sich die Rückgänge im Technologie- und Halbleitersektor besonders stark aus, da die Strategie gezielt in langfristige Wachstumsthemen investiert und dadurch auf Bewertungsänderungen in diesen Bereichen empfindlicher reagiert.
Ein schwacher Monat verändert die langfristige Funktion der Fonds innerhalb eines Gesamtportfolios nicht. Er zeigt vielmehr, weshalb die drei Strategien unterschiedliche Schwerpunkte besitzen: Defensive Anlagen können Verluste in unruhigen Marktphasen begrenzen, während ausgewogene und offensivere Bausteine stärker an den Chancen der Aktienmärkte beteiligt sind und entsprechend größere Schwankungen aufweisen. Die Gewichtung entscheidet deshalb darüber, wie stark kurzfristige Marktbewegungen das gesamte Vermögen beeinflussen.
Gerade die Entwicklung im Juli macht deutlich, dass eine positive Wertentwicklung seit Jahresbeginn nicht geradlinig verläuft. Der Performance Navigator hatte in den ersten Monaten erhebliche Gewinne erzielt und gab davon im Juli einen Teil wieder ab. Beim Dynamic Future fiel die Reaktion stärker aus, weil viele seiner Anlagethemen zuvor von hohen Erwartungen an Künstliche Intelligenz, Halbleiter und digitale Infrastruktur profitiert hatten. Als Anleger die wirtschaftliche Wirkung der hohen Investitionen kritischer bewerteten, gerieten diese Segmente stärker unter Druck.
Solche Phasen eröffnen dem aktiven Management zugleich die Möglichkeit, die Zusammensetzung der Zielfonds zu überprüfen. Entscheidend ist dabei, ob sich die wirtschaftlichen Aussichten eines Anlagethemas dauerhaft verschlechtert haben oder ob die Kurse vor allem auf zuvor hohe Bewertungen und kurzfristige Gewinnmitnahmen reagieren. Der Juli lieferte für beide Entwicklungen Anhaltspunkte. Deshalb bleibt eine sorgfältige Auswahl innerhalb der Zukunftsthemen ebenso wichtig wie die Verbindung mit defensiveren und breiter aufgestellten Strategien.



Mehrere Entwicklungen des Juli reichen über die unmittelbaren Kursbewegungen hinaus. Die Vereinigten Staaten ordnen ihre Zollpolitik nach dem Urteil des Supreme Court rechtlich neu, während die hohen Ausgaben für Künstliche Intelligenz die Finanzstruktur großer Technologiekonzerne verändern. Zugleich hat der Einbruch des koreanischen Aktienmarktes erneut offengelegt, dass ein breit erscheinender Index stark von wenigen Unternehmen abhängig sein kann.
Neue US-Zölle verändern die Kostenrechnung Ölpreis
Die US-Regierung führte am 24. Juli neue Zölle auf Waren aus 60 Volkswirtschaften ein. Begründet wird die Maßnahme damit, dass die betroffenen Handelspartner Einfuhren aus Zwangsarbeit nicht ausreichend verhindern. Für Waren aus Großbritannien, Indien und mehreren weiteren Staaten gilt grundsätzlich ein Satz von zehn Prozent. Bei bestimmten Einfuhren aus der Europäischen Union und Taiwan wird die Gesamtbelastung einschließlich des regulären Meistbegünstigungszolls auf zehn Prozent begrenzt; für Japan, Südkorea und die Schweiz liegt diese Obergrenze bei 12,5 Prozent.
Andere betroffene Volkswirtschaften, darunter China, unterliegen grundsätzlich einem zusätzlichen Zoll von 12,5 Prozent. Ausgenommen sind unter anderem bestimmte Rohstoffe sowie Waren, deren Verteuerung die US-Wirtschaft erheblich beeinträchtigen könnte. Unternehmen müssen nun prüfen, welche Produkte betroffen sind und ob sie ihre Lieferketten anpassen können. Ein Importeur kann den zusätzlichen Zoll selbst übernehmen, ihn an seine Kunden weitergeben oder andere Bezugsquellen suchen – jede Variante beeinflusst die Preise und Gewinnmargen.
Besonders schwierig ist die Anpassung für Unternehmen, die auf spezialisierte Vorprodukte angewiesen sind und ihre Lieferanten nicht kurzfristig wechseln können. Auch die Geldpolitik wird durch die neuen Zölle komplizierter, da höhere Einfuhrkosten die Verbraucherpreise trotz schwächerer Nachfrage steigen lassen können.
Hohe KI-Ausgaben verändern die Bewertung von Technologiekonzernen
Die aktuelle KI-Debatte betrifft inzwischen weit mehr als die Frage, ob einzelne Aktien zu teuer bewertet sind. Große Technologiekonzerne wandeln sich durch ihre Investitionen in Rechenzentren, Chips und Stromversorgung zunehmend zu kapitalintensiven Infrastrukturunternehmen, wodurch sich auch die Grundlage ihrer Bewertung verändert. In der Vergangenheit konnten viele Plattformunternehmen hohe Margen erzielen, ohne vergleichbar große Sachanlagen finanzieren zu müssen.
Der Ausbau der KI-Infrastruktur bindet nun über Jahre hinweg erhebliche Mittel und erhöht die Abschreibungen. Für Anleger gewinnt deshalb die Qualität der Investitionen an Bedeutung: Hohe Ausgaben sind wirtschaftlich vertretbar, wenn sie zusätzliche Werte schaffen. Bleibt dieser Zusammenhang unklar, sinkt der freie Cashflow, während der Markt weiterhin hohe Wachstumsraten voraussetzt. Hinzu kommt, dass Rechenzentren verlässliche Stromanschlüsse, leistungsfähige Netze und geeignete Standorte benötigen. Engpässe in diesen Bereichen können Projekte verteuern oder verzögern, weshalb sich der Erfolg des KI-Zyklus ebenso bei jenen Unternehmen entscheidet, die die physische Infrastruktur bereitstellen.
Diese Entwicklung erweitert das investierbare Spektrum, erhöht aber auch die Anforderungen an die Auswahl. Ein Unternehmen kann von der wachsenden Nachfrage nach Rechenleistung profitieren und dennoch eine unattraktive Anlage sein, wenn der Kaufpreis bereits sehr hohe Erfolge voraussetzt. Umgekehrt können Anbieter aus dem Umfeld der Stromversorgung oder Netztechnik wirtschaftlich profitieren, obwohl sie nicht unmittelbar als KI-Unternehmen wahrgenommen werden. Die Bewertung muss deshalb stärker berücksichtigen, wo innerhalb der Wertschöpfung tatsächlich Einnahmen entstehen und wie viel Kapital dafür eingesetzt werden muss.
Indexbreite schützt nicht automatisch vor Konzentrationsrisiken
Die Vorgänge am koreanischen Aktienmarkt haben ein Problem sichtbar gemacht, das auch andere Börsenplätze betrifft: Ein Index kann zahlreiche Unternehmen enthalten und dennoch von wenigen Schwergewichten dominiert werden. Steigt deren Börsenwert über Jahre deutlich schneller als der des übrigen Marktes, nimmt ihr Anteil am Index automatisch zu. Anleger, die einen nach Marktkapitalisierung gewichteten ETF erwerben, erhöhen damit zugleich ihre Abhängigkeit von den größten Aktien.
In Aufwärtsphasen wirkt diese Konstruktion vorteilhaft, weil die erfolgreichsten Unternehmen einen immer größeren Beitrag zur Indexrendite leisten. Bei einer Branchenkorrektur kehrt sich der Mechanismus jedoch um: Fallen mehrere Schwergewichte gleichzeitig, können die übrigen Indexmitglieder den Rückgang kaum ausgleichen. Die Zahl der enthaltenen Aktien vermittelt dann eine breitere Streuung, als wirtschaftlich tatsächlich vorhanden ist.
Auch eine geografische Verteilung auf mehrere Länder löst das Problem nur teilweise. Viele internationale Indizes halten dieselben globalen Technologiekonzerne, während asiatische Märkte stark von Halbleiterherstellern geprägt sein können. Verschiedene Fonds können deshalb auf ähnliche Risiken reagieren, obwohl ihre Namen und regionalen Schwerpunkte eine größere Unabhängigkeit vermuten lassen.
Zusätzliche Streuung entsteht, wenn verschiedene Investmentstile miteinander verbunden werden. Ein wachstumsorientierter Manager sucht Unternehmen mit steigenden Umsätzen und hohen Investitionschancen, während ein wertorientierter Ansatz stärker auf den Kaufpreis und die bestehende Ertragskraft achtet. Andere Strategien konzentrieren sich auf regelmäßige Ausschüttungen oder eine geringe Schwankungsanfälligkeit. Wenn diese Ansätze sinnvoll kombiniert werden, reagieren nicht alle Teile des Portfolios auf dieselbe Markterwartung.
Der Juli hat damit zwei Anforderungen an Anleger geschärft. Bei technologieorientierten Unternehmen muss genauer geprüft werden, ob hohe Investitionen bereits zusätzliche Einnahmen hervorbringen oder zunächst vor allem Kapital binden. Zugleich reicht die bloße Zahl der Wertpapiere in einem Fonds oder Index nicht aus, um dessen Streuung zu beurteilen; entscheidend ist, wie stark einzelne Unternehmen, Branchen und Bewertungsannahmen das Ergebnis bestimmen. Eine durchdachte Portfoliostruktur kann Verluste zwar nicht ausschließen, sie begrenzt jedoch die Abhängigkeit von einem einzelnen Börsenthema.
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